Donnerstag, 20. Juni 2013

Die Klonarmee - Pflanzenvermehrung durch Stecklinge

Einige Pflanzen kann man durch Klonen vermehren. Dazu schneidet man ihnen ein Arm oder Bein ab, steckt es in die Erde und es wächst eine neue Pflanze, die genetisch identisch ist. Das nennt man vegetative Vermehrung. Zeitlicher und materieller Aufwand hält sich in Grenzen. Alles was man braucht ist die gesunde Mutterpflanze, ein scharfes Messer, kleine Töpfe, gesammelte Marmeladengläser und (wenn möglich) Anzuchterde.

Weil ich meine Erdbeerminze (Foto links) verschenken möchte ohne meine Pflanze weg zu geben, habe ich mich in letzter Zeit eingelesen und es ausprobiert. Das hat sich gelohnt, denn die Stecklinge wachsen an. Zu Ehren der Stecklinge also dieser Post.

Minze vermehren 
Für welche Pflanzen eignet sich die Stecklingsmethode?

Besonders Kräuter lassen sich damit gut vermehren. In vielen Büchern wird geraten Rosmarin auf diese Weise zu überwintern. Da Lavendel zweijährig ist, braucht man durch das Stecken im dritten Jahr keine neuen Pflanzen kaufen. Auch Estragon, Salbei, Strauch-Basilikum und Zitronenverbene klont man damit gut. Es lohnt sich bei Pflanzen, von denen man nur schwer Saatgut bekommt (z.B. sämtliche Minzsorten) und deren junge Pflanzen sehr teuer und selten sind. Eine neue Erdbeerminze kostet mit Versand 8,90 Euro. Die Vermehrung hingegen ist kostenlos.

Die Stecklingsvermehrung wird bei Obstgehölzen (Steckhölzer) und Beerensträuchern (Grünstecklinge) angewandt. Auch bei Perlargonien, also Geranien, soll es funktionieren. Habt ihr erfolgreich noch andere Arten stecklingsvermehrt? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

 


 

 

 

 

 

 

Wie geht das?

 

Man braucht die gesunde Mutterpflanze, ein scharfes Messer, kleine Töpfe, gesammelte Marmeladengläser und (wenn möglich) Anzuchterde. Ich beziehe mich hier auf das Buch "Selbstversorgergarten" von Elke von Radziewsky (übrigens ein ganz wunderbares Buch!).



Messer
1. Scharf abschneiden
Dazu ist das Messer gut (bei mir ist es ein altes Küchenmesser). Eine Schere quetscht den Stängel eher ein, so dass er nur wenig Wasser aufnehmen kann. Bei Kräutern wendet man die  Kopfstecklingsvermehrung an. Das bedeutet, dass man das Obere eines jungen, gesunden Triebes nimmt, der keine Blüte trägt.

2. Verdunstungsfläche reduzieren
Pflanzen vermehrenDie Pflanze kann am Anfang wenig Wasser durch den Stängel aufnehmen. Sie besitzt ja noch keine Wurzeln. Deshalb müssen so viele Blätter wie möglich abgeschnitten werden, damit die Pflanze kein Wasser über die Blattoberfläche verliert. Die obersten Blätter der jungen Triebe werden stehen gelassen.

3. Hungern lassen
MinzeWenn die Pflanzen wenig Nährstoffe in der Erde vorfinden, wie z.B. bei einer guten Anzuchterde, wollen sie so schnell wie möglich viele Wurzeln bilden. Deshalb ist eine nährstoffarme Erde zur Anzucht gut geeignet. Man kann sie kaufen oder sich mit normaler Blumenerde und Sand eigene Anzuchterde herstellen. Mit purer normaler Blumenerde dauert es länger, funktioniert aber auch. Meine Stecklinge sind der Beweis.

4. Die Pflanze schön tief stecken
Empfohlen wird eine Stecktiefe von 2-3 cm. Mit dem Bleistift, dem Finger oder dem Pikierholz wird ein Loch gebohrt, in das der Steckling versenkt wird. Wenn der Stängel schön tief ist, kann er auch viele Wurzeln bilden.

5. Gespannte Luft herstellen
Die Verdunstungsfläche haben wir schon durch das Abtrennen der Blätter reduziert. Nun
kann man der Pflanze noch helfen, indem wir gewächshausartige Zustände herstellen. Das geht ganz einfach mit einem Marmeladenglas, das man über den Steckling stülpt. Vorsicht: Der Steckling sollte das Marmeladenglas nicht berühren und es muss auch ab und zu gelüftet werden, damit kein Schimmel entsteht. Pralle Sonne ist zudem eher schädlich - Verbrennungsgefahr.

Um zu wissen, ob es geklappt hat, besser nicht an ihm herumzuppeln sondern einfach die Blätter betrachten: Wenn sich ein neues Blattpaar gebildet hat kann man von neuen Wurzeln ausgehen. Wie andere kleine Pflänzchen auch, kann der Steckling nun weiterwachsen und bei Gelegenheit in nährstoffreiche Erde gesetzt werden.

Stecklinge


Quellen für den Text:
Radziewsky, Elke von:  Der Selbstversorgergarten. München: 2011.
Mayer, Joachim: Soforthelfer Küchenkräuter. Stuttgart: 2012.

Kommentare:

  1. Sehr gut erklärt sehr informativer Beitrag. Ich vermehre so im Frühjahr meine Fuchsien ,nur stülpe ich immer eine durchsichtige Tüte darüber zuvor gut wässern und unten mit einem Haushaltsgummi schön dicht machen. Johannisbeeren brauch man einfach nur liegen lassen die treiben sehr schnell Wurzeln. Geranien habe ich auch schon so vermehrt aber benötigt viel Geduld sie blühen viel später wie gekaufte Exemplare.
    Das mit dem Rosmarin werde ich dieses Jahr ausprobieren weil er mir fast jedes Jahr erfriert.
    Liebe Grüße
    Claudia

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    1. Ich kann mir vorstellen, dass Tüten bei großen Trieben noch praktischer sind. Wenn man keine sauren Gurken mag ist es schwierig an große Gläser zu kommen :) Aber ansonsten schmeißt man über das Jahr hinweg so viele Gläser weg...

      Das mit den Johannisbeeren hört sich gut an. Die will ich auf jeden Fall noch vermehren. Bin gespannt, ob es bei dir mit dem Rosmarin klappt :)

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  2. Vielen Dank für diese schöne bildhafte Darstellung. Ich möchte so gerne Schokoladen-Kosmeen in meinem Fenstergarten haben, weil die so lecker nach Schokopudding duften. Jetzt habe ich gelesen, dass die sich gar nicht generativ vermehren und ich mir erstmal umständlich eine Mutterpflanze besorgen muss (die gibts leider nicht überall...). Dank dir, weiß ich jetzt, wie ich sie eventuell länger im "Garten" behalten und auch mal ein Blümchen verschenken kann :-)

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    1. Schokoladen-Kosmeen. Schokopuddingpflanzen. Noch nie gehört. Klingt interessant und lecker :) Die muss man wahrscheinlich im Internet bestellen...oder Glück haben und bei irgendwem steht sie im Garten. Wenn ich irgendwo eine entdecke sag ich Bescheid!

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  3. Hallo

    Mit Stecklingen gehört auch ein wenig Glück dazu, das hat man nicht immer. Ich habe hier eine Technik, die bei einigen Pflanzenarten einfach funktionieren muss, entdeckt. Den Zweig runter binden, so dass er an einer Stelle Bodenkontakt hat. Vor zwei Monaten habe ich das mit ein paar Stachelbeertrieben gemacht und ich vermute, dass die schon Wurzeln schlagen. Ich warte aber lieber noch, bis die richtig wachsen, die sind noch zu klein, um die zu verpflanzen.

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