Sonntag, 22. September 2013

Kräuterübersicht - einjährig oder mehrjährig?



Kräuter sind Strategen - Überlebensstrategen. Wenn der bittere Winter kommt, dann überleben sie die kalte Zeit auf verschiedenste Weise. Aber nicht alle Kräuter kommen ursprünglich aus unseren frostigen Breitengraden und nicht alle sind rein genetisch für die Zucht in Pflanzenkübel ausgelegt. Sie sind eher zufällig hineingeraten und schlagen sich wacker. Auf dem Balkon im Winter ist also mit überlebensfeindlichen Bedingungen zu rechnen, die zwei Ursachen haben: Frost und Kübel.

Die erste große Frage ist nicht "Wie kann ich meine Kräuter überwintern?" sondern "Welche Kräuter sollen denn jetzt nun überhaupt überwintert werden?". Heute geht es also um das "Welche". Zum "Wie" folgt in nächster Zeit ein weiterer Post.

 

 

Einjährige Kräuter

 

Kresse hat es eilig!
Einjährige Kräuter sprießen im Frühling schnell aus Samen, bilden schnellstmöglich Blüten und kurzerhand Früchte. Sie leben nur eine Vegetationsperiode, machen also schnell, schnell. Jedes Jahr sät man sie erneut aus. Da gibt es zum Beispiel die eilige Kresse, den zügig wachsenden Dill oder den Borretsch.Was man mit diesen Pflanzen nicht machen braucht ist klar: Sie zu überwintern. So schnell sie gekommen sind, desto schneller sind sie im Winter auch wieder weg. Diese Kräuter überwintern ihre genetische Einzigartigkeit in einer kleinen Powerkapsel, dem Samen.

 

 

 

 

 

Zweijährige Kräuter


Rucola blüht im zweiten Jahr
Diese lassen sich mehr Zeit. Bei zweijährigen Kräutern läuft die Zeit ein bisschen langsamer. Entschleunigt, wie man so schön sagt. Sie bilden erst im zweiten Jahr Früchte und dann Samen. Ganz sutsche, entspannt, gemächlich. Alles braucht eben seine Zeit. Komischerweise gibt es nicht viele von den Zweijährigen. Ihre Überlebensstrategie ist wohl nicht die beliebteste. Die Gefahr liegt eindeutig darin den ersten Winter zu überstehen. Kümmel, Rauke und Knoblauchrauke tun es trotzdem - im ersten Jahr krauten, danach frieren und dann im zweiten Jahr blühen.  Bei Pflanzen ist es eben häufig wie bei uns Menschen. Die von der wirklich entschleunigten und entspannten Sorte gibt es nur selten.

 

 

 

 

 

 

Mehrjährige Kräuter


Jetzt wird es kompliziert, denn die Überlebensstrategien unter mehrjährigen Kräutern ist vielfältig. Viele mehrjährige sind immergrün, wie z.B. Lavendel, Thymian, Salbei, Petersilie und Rosmarin. Sie alle stammen aus dem mediterranen Raum und schaffen es auch manchmal bei uns über den Winter. Wenn man sicher gehen möchte, dann stellt man sie in einen kalten, hellen und frostfreien Raum. Dann kann man weiterernten, was natürlich sehr praktisch und lecker ist.
Unter den mehrjährigen Kräutern gibt es Sträucher bzw. Halbsträucher, Bäume, Zwiebelpflanzen und Stauden.

Schopflavendel
Sträucher und Halbsträucher verholzen und schützen sich so auch im Winter vor dem Austrocknen. Das große Problem ist nämlich, dass die Kälte das Wasser in den Adern (Kapillargefäßen) gefrieren lässt und die Pflanze dann austrocknet. Ist sie aber durch einen dickeren Stängel, also einer Art Stamm, vor dem kleinen Frost geschützt, hilft ihr das beim Überleben. Salbei, Rosmarin, Zitronenverbene und Lavendel sind Sträucher bzw. Halbsträucher. Lorbeer zählt zu den Bäumen. Bäume übertreiben im Grunde genommen das, was die Sträucher tun. Borke produzieren. Mehr Borke bedeutet noch mehr Schutz. Im Grunde handelt es sich aber um die gleiche Überlebensstrategie. Lorbeer sollte man trotzdem ins Warme holen. Die Borke dieser Halbsträucher oder Sträucher reicht eben nur für den mediterranen Raum.





Römischer Ampfer
Stauden sind mehrjährige Pflanzen, die in jedem Jahr fruchten. Sie sind ausdauernd und krautig. Im Gegensatz zu den Sträuchern verholzen sie nicht. Zitronenmelisse, Oregano, Stevia, Majoran und Olivenkraut sind Stauden. Das Wort Staude bedeutet im Grunde genommen "mehrjährig". Häufig liest man "mehrjährige Stauden". Dieser Ausdruck ist doppeltgemoppelt, denn Stauden sind immer mehrjährig.
Ihre Überlebensstrategie ist vielfältig. Manache ziehen ein, manche nicht. Manche können durch Rhizome, Knollen oder Zwiebeln unter der Erde überwintern. Auch Zwiebelpflanzen gehören somit zu den Stauden und haben eine besondere Art den Winter zu überstehen.







Schnittlauch
Zwiebelpflanzen speichern ihre Energie unter der Erde. Ziemlich genial, denn unter der Erde ist es wärmer und sie haben alles in ihrer Zwiebel, was sie zum Austrieb im Frühling brauchen. Deshalb sind sie auch eine der ersten Pflanzen, die im Frühling ihr Grün zeigen. Schnittlauch, Schnittknoblauch und Kräuterfenchel gehören zu dieser Sorte.
Der Schnittlauch ist der hartgesottenste unter ihnen. Er braucht den Frost sogar, um im Frühling wieder schön auszutreiben. Im Winter kann man sich dies durch "antreiben" zu nutze machen. Man schneidet ihn herunter, lässt ihn schön durchfrieren und holt ihn dann ins warme Zimmer. Er treibt aus und würzt auch im Winter sämtliche Gerichte. Ich werde das auf jeden Fall ausprobieren.







Kommentare:

  1. Hallo Anette
    Wieder ein ganz toller Beitrag, Danke. Bei den Einjährigen : Ringelblume,Kapuzienerkresse und Dill säen sich bei mir selbst aus und kommen im nächsten Jahr von alleine wieder (aber im Garten) das Gleiche bei der Knoblauchrauke (wie Unkraut :) ) Bei den Mehrjährigen: Zitronenmelisse und Salbei überwintern bei mir seit über 30 Jahren im Freien, etwas abdecken im Spätherbst. Kübel werden bei mir auf Styropor gestellt und mit Noppenfolie und Sackleinen eingepackt .
    Die Idee mit dem Schnittlauch werde ich auch ausprobieren.
    Aber Rosmarin ist bei mir ganz schwierig 3-4 Jahre habe ich ihn schon durchgebracht ( im Herbst ausbuddeln und im Topf im frostfreien Raum) aber danach geht er fast immer ein. Dieses Jahr habe ich mir einen winterharten Rosmarin gekauft - da bin ich ja mal gespannt ( Trotzdem möchte ich mir noch einen Steckling machen, zur Sicherheit). Meinen Lorbeer nehme ich auch ins Haus aber mein Sohn hat letztes Jahr in Tübingen seinen Lorbeer im Herbst total vergessen-nicht gegossen keine Abdeckung-und er hat überlebt -für mich ein kleines Wunder :)
    LG
    Claudia

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    1. Hallo Claudia,

      dann kann ich die Zitronenmelisse ja doch draußen behalten, aber dich eingepackt und den Salbei werde ich dann auch auf dem Balkon lassen. Der ist ja auch recht geschützt. Das sollte schon klar gehen. Bin sehr gespannt, ob es mit den Stecklingen bei dir funktioniert.
      Der Rosmarin, den ich im Winter gekauft hatte, der erst einmal auf der Fensterbank stand und danach draußen weiterleben sollte, ist mir auch eingegangen. Vielleicht darf man den Rosmarin nicht zu früh rausstellen??? Winterharter Rosmarin hört sich gut an. Schmeckt der?
      Lorbeer hat bei mir auch noch nie überlebt - dein Sohn hat wohl Glück gehabt. Dabei war das doch ein recht kalter Winter. Vielleicht hat er da eine widerstandsfähige Sorte erwischt.
      Liebe Herbstgrüße in den Süden
      Annette

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    2. Hallo Anette
      Der Rosmarin schmeckt genau gleich, ich traue ja dem Gärtner noch nicht so ganz :) Ich hoffe dass ich die Stecklinge gut hinbekomme. Bei meinem Sohn kann man vielleicht auch das Sprichwort anwenden: Die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln... :)
      Liebe Grüße zurück
      Claudia

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  2. Heuer hatte ich leider mit den gepflanzten Kräutern wenig Glück. Die Minzen begannen zu wuchern und aus dem Rest ist nicht viel geworden. Kommendes Jahr möchte ich eine Kräuterschnecke bauen und die Kräuter dorthin verfrachten - mal sehen, ob ich dafür einen passenden Platz finde.

    lg kathrin

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